Den Staub von der Seele gepustet

 

WARBERG
Wenn das Vokalensemble Con Brio zum Konzert auf Burg Warberg bittet, dann kann auch ein wetterbedingter Kulissenwechsel die Besucher nicht aufhalten. Der Burghof ist am Sonntag bis auf den letzten Platz gefüllt gewesen. Viele Besucher wollten vor Konzertbeginn noch Kaffee und Kuchen genießen. Freilich war dieser recht bald ausverkauft.

Dann kam der Regen. Mehr als 250 Klassikfreunde waren gezwungen, einen Platz in der Aula der Burg zu suchen. Für die Akustik ist das von Vorteil gewesen. "Donau so blau" lautete das Motto des Programms mit Chorwerken und Bearbeitungen aus der Musik-Metropole Wien. Die zwölf Sängerinnen und Sänger des Ensembles kennen sich überwiegend aus der Zusammenarbeit im Opern-Zusatzchor des Staatstheaters Braunschweig. Dieser "Extra-Chor" wird bei großen Chor-Opern hinzugezogen. Und so spürt man in der Darbietung, dass die Mitglieder über viel Erfahrung verfügen.

Als Ouvertüre diente Wolfgang Amadeus Mozarts "Zauberflöte", vorgetragen als Vokalarrangement. Es folgten Stücke von Franz Schubert und Joseph Hayden, dem Begründer der Wiener Klassik. Passend zum zahlenmäßig eher kleinen Chor – er wird auch als "Große Oper in kleiner Besetzung" überschrieben – wurde der Gesang um ein vierhändig gespieltes Klavier bereichert. Dirigentin und Pianistin Christine Hintz-Kosfelder, die viele Jahre am Staatstheater Braunschweig tätig war, und Burkhard Bauche, Studienleiter und Kapellmeister am Braunschweiger Staatstheater, saßen gemeinsam am Flügel. Ihr Vortrag war virtuos, mit Werken von Franz Schubert, dem schwungvollen "Militärmarsch" und der intensiven "Sonate D-Dur op.6" von Beethoven. Gerhard Eckels führte mit viel Witz und interessanten Erläuterungen zur Geschichte der Wiener Klassik durch das Programm.

Zum Glück hatte der Wettergott ein Einsehen und so konnte das Konzert nach der Pause im Innenhof der Burg bei strahlendem Sonnenschein fortgeführt werden. Natürlich durfte Johann Strauß mit seiner beschwingten Melodie "An der schönen blauen Donau" nicht fehlen, gefolgt von der "lustigen Witwe" Franz Léhàrs. Nach viel Applaus fand das Konzert mit der "Tritsch-Tratsch Polka" von Johann Strauß sein Ende. Ein Zuhörer beschrieb anschließend seine Empfindungen so: " Bei solch einer Musik wird einem der Staub von der Seele gepustet."


Braunschweiger Zeitung, 04.08.2009 | Autorin: Dagmar Völling